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Die Ergebnisse der Humanwissenschaften liefern zahlreiche Hinweise auf menschliche Eigenschaften, die in der Vergangenheit zu nicht nachhaltigen Entwicklungen geführt haben und heute den Versuch behindern, eine nachhaltige Entwicklung in Gang zu bringen:

  • Nur was unsere Aufmerksamkeit erweckt, gelangt in unser Bewusstsein.
    Radioaktive Strahlung, viele Gifte sowie weite Frequenzbereiche von akustischen und elektromagnetischen Schwingungen können wir nicht direkt sinnlich wahrnehmen.
  • Unser Interesse und Wissen beeinflusst unsere Wahrnehmung.
  • Schleichende Veränderungen entgehen weitgehend unserer Wahrnehmung und werden uns deshalb kaum bewusst.
  • Wir neigen dazu, Informationen, die nicht in unser Weltbild passen, zu ignorieren oder zumindest mit ihnen weit kritischer umzugehen als mit solchen, die unserem Weltbild entsprechen.
  • Aktuelle Vorteile und die Rückmeldungen aus dem Nahbereich haben dominanten Einfluss auf unser Alltagsverhalten.
  • Unsere Alltagsentscheidungen stützen sich auf unsere spontan aktualisierbaren Gedächtnisinhalte.
  • Zu nichtlinearen Vorgängen haben wir keinen intuitiven Zugang.
  • Beeinflussen sich mehrere Vorgänge gegenseitig, dann können wir ihnen gedanklich nur noch unter Einsatz externer Hilfsmittel (z.B. Computer) folgen. Man kann auch sagen, unsere Fähigkeit zu vernetztem Denken ist ohne externe Hilfsmittel gering, weshalb es uns schwer fällt, Neben- und Fernwirkungen unseres Verhaltens angemessen zu berücksichtigen.
  • Was wir positiv oder negativ bewerten, wird bis zur Pubertät durch die Erfahrungen, die wir im Nahbereich machen, weitgehend unbewusst so festgelegt, dass spätere, kognitive Einsichten daran nur noch wenig ändern können. Traumatische Erlebnisse oder selbstverordnete, systematische Konditionierungsvorgänge führen bei Erwachsenen noch am ehesten zu Änderungen der praktizierten Werthaltung.
  • Wir versuchen unsere Ziele mit möglichst geringem, eigenem Aufwand zu erreichen, deshalb neigen wir dazu, Probleme auf andere abzuwälzen.
  • Wir sind kaum bereit, uns dort kompetent zu machen, wo es nicht um unsere eigene Vorteilsnahme bzw. die unserer ”Kern-Wir-Gruppe” geht, sondern um einen Beitrag zur Lösung gesamtgesellschaftlicher Probleme.

Damit werden folgende Aussagen verständlich:

  • Es gibt bisher keine Hinweise auf eine menschliche Hochkultur, die zu ökologisch nachhaltiger Landnutzung in der Lage war.  
  • Das Individuum schenkt seinem gesellschaftlichen Umfeld weit mehr Aufmerksamkeit als seinem ökologischen, weil das gesellschaftliche Umfeld sehr viel schneller auf sein Verhalten reagiert, ihn viel prompter belohnt oder bestraft als das ökologische.
  • Bei der Beurteilung von menschlichem Verhalten neigen wir zu unterschiedlicher Sichtweise, je nachdem ob es sich um die Interpretation unseres eigenen Verhaltens oder das anderer Menschen handelt. Wir sehen unser eigenes Verhalten eher als Reaktion auf äußere Einflüsse, das Verhalten anderer Menschen eher als von deren Motiven bzw. inneren Antrieben gesteuert.
  • Das Individuum kann seine eingefahrenen Gewohnheiten nur mühsam korrigieren.
  • In sozialen Gemeinschaften, die so viele Menschen umfassen, dass nicht mehr jeder jeden persönlich kennen kann, gewinnen Äußerlichkeiten an Bedeutung. Sie helfen unbekannte Menschen oder Menschengruppen schneller einzuordnen. Damit bekommen Aussehen, Kleidung, Wohnung und technische Hilfsmittel zusätzliche Funktionen. Sie stellen sichtbare Hinweise auf die Stellung eines Menschen in der Gesellschaft dar und können helfen, Aufmerksamkeit, Ansehen und Anerkennung zu erzielen. Daraus erwächst eine endlose Bedürfnisspirale, der sich der einzelne Mensch nur schwer entziehen kann.   
  • Bei billiger Energie wird unser Hang zur Bequemlichkeit und zum Komfort zu einem ökonomisch leicht ausbeutbaren Faktor. Wieder erwächst daraus eine endlose Bedürfnisspirale, der sich der einzelne Mensch kaum entziehen kann.   
  • Unser Körpergefühl und unser Hang zu Anerkennung und Komfort tragen dazu bei, dass bestimmte Konsumgüter, wie z. B. das Auto, Drogencharakter erlangen.
  • Unsere Möglichkeiten, viele Wünsche dank Wissenschaft und Technik rasch und mit geringer Anstrengung befriedigen zu können, führen zu Verwöhnung und Anspruchshaltung. Das bedeutet, um bei der nächsten Wunschbefriedigung dasselbe Lusterlebnis zu haben wie zuvor, muss die Reizintensität gesteigert werden. (Beispiel: Wenn wir uns aus dem Kühlschrank etwas zum Essen geholt haben und danach noch ein bisschen Hunger verspüren, brauchen wir etwas besonders Delikates, um dasselbe Lusterlebnis zu haben, wie zuvor bei einer einfachen Speise im hungrigen Zustand – deshalb das Sprichwort: Hunger ist der beste Koch) 
  • Wir haben keinen emotionalen Mechanismus, der uns alarmiert, wenn das Verhältnis von Detailwissen und Systemwissen unausgewogen wird, obwohl die Unausgewogenheit das Risiko von Fehlentscheidungen erhöht. 
  • Naturkenntnis und Naturverbundenheit einer Person oder Kleingruppe bestimmen kaum, wie umweltverträglich ihr aktuelles Verhalten ist, entscheidend dafür sind die von den Gesetzen und internationalen Verträgen geschaffenen Rahmenbedingungen. Kann doch ein einzelner Mensch (eine Kleingruppe) weder die Folgen seines (ihres) umweltverträglichen Verhaltens nur sich zugute kommen lassen, noch hat er (sie) die Möglichkeit, mit seinem (ihren) individuellen Verhalten einen nennenswerten Beitrag für eine nachhaltige Entwicklung zu leisten. 
  • Je fundierter die Kenntnisse sind, die der einzelne Bürger über die menschlichen Eigenschaften sowie die Funktionsweise seines Lebensraums und seiner Gesellschaft besitzt, um so eher wird er einsehen, dass er Leitplanken benötigt, die ihn in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung führen und bereit sein, die dafür notwendigen Änderungen der Rahmenbedingungen zu akzeptieren.
  • Menschliches Handeln wird in vormodernen wie in modernen Gesellschaften angetrieben durch vorprogrammierte Neigungen. Die Art und Weise, wie diese Neigungen befriedigt werden, ergibt sich aus den jeweiligen Rahmenbedingungen und den daraus erwachsenden Belohnungs- und Bestrafungsmechanismen. Dass die Gesellschaften trotz der Beschlüsse von Rio kaum Fortschritte in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung machen, weist auf ungeeignete Rahmenbedingungen hin.
  • Die spontane Vernunft der Menschen, der sogenannte gesunde Menschenverstand erwartet lineare Kausalität und findet sich im Mesokosmos nur unter bestimmten Bedingungen gut zurecht.

Die Erkenntnisse der Erfahrungswissenschaften stützen die Einschätzung, dass der einzelne Mensch jenseits des Entwicklungsstandes einer Jäger-Sammler-Gesellschaft keine guten Voraussetzungen für eine ökologisch nachhaltige Lebensweise mitbringt. Das gilt insbesondere unter den Bedingungen einer hochdifferenzierten Massengesellschaft.

Literatur

W. Schiefenhövel, Ch. Vogel, G. Vollmer (Hrsg.): Der Mensch in seiner Welt.
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Dietrich Dörner: Bauplan für eine Seele
Rowohlt Verlag, Reinbek, 1999

Eckart Voland: Die Natur des Menschen
Verlag C.H. Beck, München, 2007

Gerhard Roth: Fühlen, Denken, Handeln. Wie das Gehirn unser Verhalten steuert
Suhrkamp Verlag, Frankfurt 2001

Antonio R. Damasio: Ich fühle, also bin ich. Die Entschlüsselung des Bewusstseins
Econ Ullstein List Verlag, München, 2000

Luc Ciompi: Die emotionalen Grundlagen des Denkens.
Verlag Vandenhoek & Ruprecht, Göttingen 1997

Dietrich Dörner: Die Logik des Misslingens
Rowohlt Verlag, Reinbek 1989

Markus Hengstschläger: Die Macht der Gene
Ecowin Verlag, Salzburg, 2006

David C. Rowe: Genetik und Sozialisation. Die Grenzen der Erziehung
Beltz, Psychologie-Verlag Union, Weinheim, 1997

Jerome Kagan: Die drei Grundirrtümer der Psychologie
Beltz Verlag, Weinheim/Basel, 2000

Annette Scheunpflug: Biologische Grundlagen des Lernens
Cornelsen Verlag, Berlin, 2001

Manfred Spitzer: Lernen. Gehirnforschung und die Schule des Lebens
Elsevier, München, 2007

Ruth Kaufmann-Hayos, Antonietta Di Giulio (Hrsg.): Umweltproblem Mensch. Humanwissenschaftliche Zugänge zum umweltverantwortlichen Handeln
Verlag Paul Haupt, Bern/Stuttgart, 1996

Andreas Diekmann, Carlo C. Jaeger (Hrsg.): Umweltsoziologie
Westdeutscher Verlag, Opladen, 1996

A. Miller: Environmental Problem Solving. Psychosocial Barriers to Adaptive Change
Springer Verlag, Berlin, New York, 1998

Axel Franzen: Umweltbewusstsein und Verkehrsverhalten. Empirische Analyse zur Verkehrsmittelwahl und Akzeptanz umweltpolitischer Maßnahmen
Verlag Rüegger, Zürich 1997

Armin Günter, Rolf Haubl, Peter Meyer, Martin Stengel, Kerstin Wüstner: Sozialwissenschaftliche Ökologie
Springer Verlag, Berlin, Heidelberg 1998

Jürg Helbling: Ökologie und Politik in nicht-staatlichen Gesellschaften. Wie steht es mit der Naturverbundenheit sogenannter Naturvölker?
Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Band 44 (1992),   S. 203-223

Yi-Fu Tuan: Our Treatment of the Environment in Ideal and Actuality
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Fritz Brickwedde, Ulrike Peters (Hrsg.): Umweltkommunikation - vom Wissen zum Handeln
Schmidt Verlag, Berlin 2002           

Axel Beyer (Hrsg.): Fit für Nachhaltigkeit? Biologisch-anthropologische Grundlagen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung
Leske + Budrich, Opladen 2002

Arne Naess: Intrinsic Value: Will the Defenders of Nature Please Rise?
in: Michael E. Soulé (ed.): Conservation Biology. The Science of Scarcity and Diversity, S.504-515,
Sinauer, Sunderland (USA) 1986